Das Material- unterschätztes Element in der Mode



Worauf achtet ihr beim Kleiderkauf? Studien zufolge treffen KonsumentInnen ihre Wahl bevozugt nach dem Preis eines Kleidungsstückes, danach folgen andere Faktoren wie Farbe, Aktualität, Form.
Ein Element wird weniger häufig genannt und ist doch ausschlaggebend für den Auftritt und unser  Wohlbefinden. Ich füge meinen bisherigen Betrachtungen zu Kleidung-Stil-Farbe nun einige Gedanken zum meistunterschätzten Element hinzu, dem Material.



 
Lanius, Walkmantel, Winter 2016



Gute Qualität zeichnet sich durch hochwertiges, beständiges Material aus, durch stabile Stoffe, haltbare Farben, es ist angenehm auf der Haut ( außer es handelt sich um einen groben Wollstoff). Es ist schwer, über die Vorzüge von gutem Material zu schreiben, im Gegenzug fallen mir ungleich mehr negative Zuschreibungen ein, wenn das Material nicht hochwertig ist: ausgeleiert, pillend schon nach wenigen Mal Tragen. Glanzlos, kratzend, juckend, billig aussehend, schweißtreibend.

Gutes Design aus einem mangelhaften Material gefertigt, lässt die gesamte Erscheinung qualitativ abstürzen, wo im Gegenzug ein schlichter Pullover aus einem hochwertigen Material immer schön aussieht. Die Kunst von guten Materialien ist es, bei absoluter Schlichtheit zu strahlen und ihre Qualitäten auszuspielen. Nach außen und nach innen.

Mehr Schein als Sein 
Billiganbieter haben mit ihrem Geschäftsmodell das Bewusstsein für gute Qualität ausradiert und den Wert von hochwertiger Qualität, durch den Wert der (kurzzeitigen) Aktualität ersetzt. Heute kaufen wir Modelle, weil sie gerade Trend sind, nicht weil man mit ihnen alt werden will. Wir sind umgeben von Kleidung, die vorgibt, als sie tatsächlich ist. In der wir uns in eine Ahnung von Qualität hüllen können. Schwitzige Sommerkleider aus Polyester, die so tun, als ob sie aus Seide wären. Wollmäntel, die nur 10 Prozent Wolle beinhalten, keinerlei wärmende Eigenschaften haben. Und sich trotzdem so nennen dürfen, Schuhe, die nach wenigen Malen Tragen Ermüdungserscheinungen zeigen. Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen.

Studio Jux, fair produziert in Nepal

Hochwertig kann man sich nicht leisten? 
Wenn ich diesen Punkt in Gesprächen aufs Tapet bringe, kommt das Argument der Leistbarkeit. Hochwertige Qualität kann man sich nicht leisten. Ja, das stimmt, wenn man  nur ein begrenztes Budget zur Verfügung hat und zweitens meint, sich alles neu kaufen und weiterhin Kleidung im Monatsrhythmus wechseln zu müssen. Wer wenig Geld hat, muß erfinderisch sein. Hier heißt es, alle Möglichkeiten zu nutzen, wo sich leistbare gute Qualität bietet: auf Flohmärkten, auf Willhaben, auf Tauschabenden oder selbstgenäht. Und dazu "grüne" Stücke, an denen man lange Freude hat. Firmen, die eine Expertise in einem Material, einer Technik oder bestimmte Produkten haben- wie etwa Geiger aus Tirol, die sich auf Strick- und Walk spezialisiert haben, bieten in ihrem Segment Qualität, die man auch nach 10 Jahren noch erfreut ansehen und tragen kann. Und wenn man bedenkt, wie lange man hochwertige, schöne Stücke tragen kann, wie sehr sie einem jedes Mal Tragen wohltun, sieht man, wie günstig insgesamt diese Modell ist.

Secondhand als Quelle?
Ich habe unlängst bei einem Vortrag die Frage ans Publikum gestellt, wer von ihnen sich auch Secondhandmode kauft. Es waren etwa 4 Menschen von 80 und das in einem am Thema Grüne Mode interessierten Kreis. Ich meine, es ist dringend nötig, seinen Blickwinkel zu erweitern. Kleidung muß nicht immer neu gekauft sein, Kleidung kann auch über andere Wege Teil der Garderobe werden und gerade wer wirklich schöne Stücke sucht, kann Glück haben. Wenn ich schöne Basics brauche, sehe ich zuerst bei Willhaben hinein. Die Chance, einen schönen Burberry Mantel, eine neuwertige Handtasche oder anderes zu finden, ist sehr hoch. 
 
Meine letzten Eroberungen
Dunkelblaue Kaschmirweste, Dunkelblauer Wollrock(Escada), neuwertige Ledertasche von Marc O´Polo, Clarks Ballerinas und ein fast 100prozentiger Wollmantel in Bordeaux, über Willhaben. Ein traumhaft weicher Woll/Kaschmir-Loop, der mir geschenkt wurde.

Wie wichtig ist Euch dieses Thema? Achtet ihr auf Qualität? Was waren eure letzten Eroberungen?




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