Ethical Fashion Show Berlin- Sommer 2018- ein Rückblick

Die Berlin Fashionweek ist vorüber, ich bin wieder wohlbehalten zu Hause angekommen. Prospekte und Flyer von interessanten Labels liegen auf meinem Schreibtisch und erinnern mich noch einmal an deren Kollektionen. Über die Labels der Ethical Fashion Show, die ich mir gerne genauer angesehen habe.

Zuallererst, dieser Bericht repräsentiert meine persönliche Auswahl und meinen Eindruck, nicht mehr. Es gibt Labels, die solide Arbeit leisten, die ich allerdings hier nicht erwähne, weil dies den Rahmen sprengen würde. Ich habe mich auf Highlights konzentriert, die sich weiter entwickelt haben oder die neu hier waren. Labels, die mir einfach gefallen haben. Die Reihenfolge ist zufällig.

Thinking Mu, Spanien
Die Kollektion des spanischen Labels war für mich die mit dem meisten Humor. Farben rund um Zitronengelb, Mint, Schwarz, Weiß, humorvolle Drucke und das transportierte Lebensgefühl von Beach, Entspanntheit, Humor und Bewusstsein haben mir sehr gut gefallen. Hier ist Mustermixen angesagt. Interessant: Sie beliefern einen Laden in Linz, der mir neu war: den A/T Store.


BLEED, Deutschland


Bleed macht Kleidung für Damen und Herren- mit sportlicher Ausrichtung. Solide Kleidung, sehr viel uni. Doch es findet sich zwischen den klassischen Formen aus Shirts, Blusen, Hemden, Jeans auch das, was ich schöne Wohlfühl-Stücke nennen würde. Wie etwa dieser mit Federn bedruckte Jumpsuit.
NEU: Der Stoff für die Badebekleidung( Damen und Herren) entsteht aus Resten von Fischernetzen sowie Abfällen aus der Teppichproduktion. Heraus kommt ein Garn, das sich für Bikinis und Co eignet. Übrigens, wer hochwertige und "grüne" Outdoorjacken sucht, wird bei Bleed sicher fündig.



KML Collection, Österreich


Das erste Mal auf der Messe war das Linzer Label KML Collection, das als "Kleider Machen Leute" in Linz einen der schönsten und bestsortierten Modeshops überhaupt betreibt. Vor einiger Zeit haben sich die Köpfe dahinter, Anita und Christian, dazu entschlossen, selbst eine kleine Kollektion zu produzieren. Indigoblau, einfache Schnittführung mit asymmetrischen Details- Material: Tencel und Biobaumwolljersey. Produziert wird in der Slowakei, der Stoff wird in Portugal gewebt. Raffiniert-sportliches Understatement.



INDIGO PEOPLE, Niederlande

Als Textilkunst-Fan liebe ich Labels, die Handarbeit in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellen und auch schöne Schnitte hinkriegen. Eines aus den Niederlanden, das das Textilhandwerk zum Mittelpunkt ihrer Gestaltung macht, ist Indigo People. Ikatweberei, Batiken, Shibori, Stick- viele kreative und begabte Textilhandwerkerinnen aus Laos, Malaysia, Indien und mehr arbeiten im Auftrag des Labels. Oft sind es "elderly women", wie mir der nette Vertreter erklärt hat, weil sie diese Techniken am Besten beherrschen. Natürlich alles mit Indigo gefärbt. Als ich ihm erzählte, woher ich komme und dass es auch im Mühlviertel eine Färbepflanze gegeben hat und gibt, die Blau färbt, wusste er sofort, dass es sich um Waid handelt.


CUS, Spanien
credit: CUS
Ruhige Schnitte, hochwertige Materialien, wenn es um pure Mode ohne Schnickschnack geht, würde ich CUS empfehlen. Produziert wird in Spanien, Designerin Adriana Zalacain legt Wert auf eine faire Produktion und baut auch soziale Projekte mit ein. Nichtsdestotrotz, das Design ist in unseren lauten, bewegten und überbordenden Zeiten die richtige Medizin, um zur Ruhe zu kommen und selbst klarer zu werden. Und- es geht nichts über einen klaren Ausdruck. Das Bild ist nicht von mir, ich hatte vergessen, bei ihrem Stand abzudrücken.


RHUMAA, Niederlande

credit: Rhumaa
Auch bei diesem Label habe ich vergessen, ein Bild zu machen- hier nun ein Stellvertreterbild von der Website. Das noch junge niederländische Label Rhumaa, gegründet 2014, von einem jungen Mann, der Südafrika bereiste und fasziniert war von der dortigen Kunst. Das Resultat sind klare, europäische Schnittformen, kombiniert mit den Druckmotiven und Designs afrikanischer Künstler. Sehr reduziert und keine Spur Ethnolook. Die Schnitte sind schlicht und lassen der Gestaltung der bedruckten Teile den nötigen Raum.



ANUKOO, Österreich



Ein Label, das erstmals in Berlin ausgestellt hat und neben der Innatex auch in Berlin zeigt, ist Anukoo aus dem Salzburgerland, das in Österreich eines der bekanntesten Ökomode-Labels ist. Die Schnitte sind einfach und bequem, schön fand ich die Farbkombinationen und ein für mich erkennbares Weiterentwickeln der Linie in Richtung Mode. Die Jumpsuits und ikatbedruckten Röcke aus festerem Baumwollmaterial haben mir sehr gut gefallen. Letztere waren mit einer großen Rüsche am Saum besetzt, was den Rock beinahe skulptural abstehen ließ. Ein Statement Rock sozusagen.



ZERUM

Zerum aus Graz ist bekannt für sehr hochwertige und beständige Siebdrucke, eine sehr gute Verarbeitung, der Verwendung von guten Stoffen- mit dem Werdegang vom stylishen T-Shirtlabel zu einem breiter aufgestellten Unternehmen. Befremdlich für mich, dass sich die Herren aus der Steiermark nicht auf den weißen Messebau verlassen haben sondern selbst mit urigen Holzwänden angekommen sind, was der Farbwirkung und der Aussage der Kollektion nicht gutgetan hat. Deutsche EinkäuferInnen, die ihr Zerum nicht kennt- seht sie euch auf deren Homepage an. Oder besucht die Läden in Graz, Linz und Wien, in denen sie weitere Marken und Produkte anbieten.

Noch neu:
NOY, Deutschland, zeigte kleine Taschen aus Olivenleder, was deswegen diesen Namen trägt, weil die für die Gerbung nötigen Stoffe aus Olivenblättern gewonnen werden. Unglücklicherweise stand dieses Label gleich neben dem deutschen Label deepmello, was ja schon seit Jahren für sein Rhabarberleder bekannt ist und neben einer kleinen, soliden Kollektion an Kleidern und Taschen auch sein Leder an Designerlabels verkauft, sowie eine Kosmetiklinie gestartet hat.

Vermisst habe ich:
Elsien Gringhuis, Niederlande, die Meisterin des cleanen Looks, der perfekten Verarbeitung sowie die perfekten Pumps und Boots von Nine To Five, Deutschland.

Ich bedanke mich bei den sympathischen AusstellerInnen für die guten Gespräche und ihren Mut, sich um hochwertiges Design, saubere Produktionsbedingungen und umweltverträgliche Produktion zu bemühen. Angesichts einer überwältigenden Dominanz der konventionellen Bekleidungsindustrie. Genau so sieht "schöne Mode" aus.
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Kurz zur Location und dem Drumherum: Dass ich eine Dreiviertelstunde auf den Shuttle gewartet habe, dessen Treffpunkt nicht einmal ausgeschildert war.... Was wurde geschwärmt von der tollen Location, dem wunderbaren Ambiente. Ja, die Location ist toll, die Messe sieht so aus, wie man sich eine Modemesse erwartet- viel Weiß, Pflanzen, dazu der unglaublich hohe Raum. Die Aussicht auf Wasser und Boote entführt einen weg in Urlaubsstimmung, wenn es nicht regnet- allerdings halte ich dem die Peripherie entgegen. Was nützt ein toller Ort, wenn er so abgelegen ist, dass man nur schwer hinkommen kann?

Ich bin mir sicher, dass Einkäufer nicht vordergründig wegen der hübschen Aussicht oder der tollen Messehalle kommen, auch nicht um eine Auszeit zu nehmen- sondern weil sie Neues für ihre Geschäfte entdecken und ihre Arbeit machen wollen. Ich weiß nicht, wie gut die Aussteller den Kundenbesuch bewerten, wie viel Aufträge sie letztlich schreiben konnten, ich wünsche mir, dass sie zufrieden sein konnten mit dem Ergebnis. Dass es nicht weiterhin heißt, "dass man in Berlin präsentiert, doch die Aufträge auf der Innatex" schreibt.Beim nächsten Mal vielleicht doch wieder in die Stadt, doch in die Nähe von Seek und Premium- den wichtigsten Modemessen. Und dann an diesem Ort bleiben und Kontinuität zeigen.

Außenbereich: Catering und Chill-Zone mit Blick auf Wasser und Boote.


Dieser Bericht endet hier, weitere Themen werden die Premium und die Seek sein und was mir sonst noch Wissenswertes einfällt. In Berlin sind viele Geschichten möglich.



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